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Thema: Pflegenotstand

  1. #271
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    Standard AW: Pflegenotstand

    Wenn man sich die Charité und Verdi als Vorreiter einer angemessenen Personalbemessung im Krankenhaus anschaut erkennt man schnell, daß die Bereitschaft, sich auf diese Personaluntergrenzen zu einigen auf höchste Widerstände stoßen wird:

    Taz-Artikel zu der aktuellen Situation an der Charité

    Und wenn keine vernünftige Lösung für die Krankenhausfinanzierung gefunden wird, werden die Häuser auch kaum die Möglichkeit haben, sinnvolle Personaluntergrenzen einzuhalten.
    Solange also weder eine Finanzierung der Bauinvestitionen von den DRG-Erlösen abgekoppelt wird und der Landesbasisfallwert nicht auf eine dem geforderten Personal angemessene Höhe angehoben wird, solange wird sich kein Haus auf eine bessere Besetzung als die aktuelle einlassen.

    Genau so handelt nunmal auch die Charité, wenn sie den eigentlich in Ansätzen guten "Tarifvertrag für Gesundheitsschutz und Demografie" derart unterläuft, dass sie die Mehreinstellungen beim Stammpersonal mit Kürzungen beim Leasingpersonal ausgleicht (siehe den TAZ-Artikel). So bleibt das Ganze nämlich nahezu ein Personal-Nullsummenspiel.
    Und solange die Charité denkt, solange wird sich nichts an der Personalsituation auf den Intensivstationen ändern, denn bei dieser Herangehensweise ist weder berücksichtigt, dass es oftmals Einzelpflegen geben muß (4-MRGN, ECMO), und dass natürlich ein leeres Bett nunmal nicht zulasten des Personals gerechnet werden darf, denn solange es als belegbar gilt, muss man auch das Personal vorhalten. Bleibt es leer, muß es das unternehmerische Risiko des Hauses bleiben und darf nicht aufs Personal abgewälzt werden.
    Und dass sich die Charité tarifrechtlich davonstehlen will, indem sie spricht Bände. An einer Weiterentwicklung des Tarifvertrages im Sinne echter Verbesserungen fürs Personal gibt es offensichtlich von Vorstandsseite kein Interesse.

    Ich bin sehr, sehr pessimistisch was diese nun auch auf Bundesebene geforderten Personaluntergrenzen angeht. Das Ganze wird wohl nicht viel mehr als ein Rechenkunststück werden, bei dem am Ende nur auf dem Papier sich etwas gebessert haben wird, in der Praxis aber alles beim alten bleibt.
    Denn: kosten darf es schliesslich nichts.
    Es wird sich wohl kaum eine Partei im Wahljahr so weit vorlehnen, dass sie Erhöhungen der Krankenkassenbeiträge fordert, oder?

    Desillusioniert (wie schon lange)
    pflegerli

  2. #272
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    Standard AW: Pflegenotstand

    hmm verstehen kann ich es...den frust...
    Ich habe trotzdem vor weiter dafür zu kämpfen!

    http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...a-1139606.html

  3. #273
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    Standard AW: Pflegenotstand

    Das Bundeskabinett hat heute die Einführung von Pflegepersonaluntergrenzen ... auf den Weg gebracht.

    Na das ist mal ein großer Wurf
    Damit hat man das Thema schön bis hinter die Bundestagswahl verschoben.

    Gruß pflegerli

  4. #274
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    Standard AW: Pflegenotstand

    Wenn Beelzebub mit Lucifer verhandelt,
    kann maximal der Teufel das Ergebnis sein...
    ...Klartext: 1 examinierte Pflegekraft pro Schicht auf den Normalstationen und auf der ITS pro 6 Betten eine examinierte Pflegekraft.

    Hier sind klare, gesetzliche Vorschriften nötig, unsere Politiker drücken sich wie immer um klare Worte zur Gesundheitsversorgung.

    Viele liebe Grüße
    fridolin
    immer gelegentlich manchmal
    Wahlspruch: Dormicum macht den dicksten Bären stumm...

  5. #275
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    Standard AW: Pflegenotstand

    ein interessanter ZEIT Artikel zum Thema:

    http://www.zeit.de/amp/wirtschaft/20...ing_share=news

    wohl dem, der die richtige Statistik zur hand hat
    vg arnold

  6. #276
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    Standard AW: Pflegenotstand

    Den Artikel hatte ich heute auch schon gelesen, danke für die Verlinkung.
    Der (für mich) maßgebliche Absatz daraus:
    "Es ist internationaler Standard, dass man sich ansieht, wie viele Patienten eine Pflegekraft pro Schicht betreut", sagt Jonas Schreyögg von der Universität Hamburg. Seriös benennen könne man aber ohnehin nur den Status quo, alles andere sei "ein Stück Kaffeesatzleserei".

    In den kommenden Tagen wird die Studie der Pflegekommission veröffentlicht, an der Schreyögg maßgeblich beteiligt war. Eine Kernaussage lautet: Je mehr Patienten eine Vollzeitpflegekraft betreut, desto schlechter ist die Qualität. Das Ergebnis klingt wenig überraschend, doch für Deutschland wird es die erste Studie sein, die das anhand empirischer Daten auch tatsächlich nachweisen kann.
    Auf die Veröffentlichung dieser Studie darf man gespannt sein. Bleibt zu hoffen, das sich die erwähnte "Kernaussage" auch in den künftigen Mindestpersonalschlüsseln wiederspiegelt...

    Gruß pflegerli

  7. #277
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    Standard AW: Pflegenotstand

    interessanter Ansatz...
    habe nur die Befürchtung, dass er gleich wieder zerpflückt wird:
    https://www.bibliomed-pflege.de/alle...chabteilungen/

  8. #278
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    Standard AW: Pflegenotstand

    Moin,
    ich glaube nicht, dass es zu einem Gesetz kommt und falls doch, wird es wie bei den Personalbedarf auf den Pädriatischen Intensivstationen verlaufen - Lobbyarbeit betrieben und dann als nicht durchführbar abgeschrieben.
    Gruß

  9. #279
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    Standard AW: Pflegenotstand

    Wann begreifen FACHPFLEGEKRÄFTE eigentlich endlich, dass sie genau das sind: FACHLeute in ihrem Beruf?

    Wann sind wir endlich so selbstbewußt, dass wir uns nicht mehr die Qualität unserer Arbeit vorhalten lassen, die wir unter Einsatz unserer Gesundheit und unter Aufopferung unseres Privatlebens erbringen, sondern schlicht und einfach sagen: schafft uns die Bedingungen, unter denen wir unsere professionellen Qualitäten anbieten können, sonst verzichten wir gerne auf die zweifelhafte Ehre, für dieses Ausbeutersystem zu arbeiten?

    In jeder anderen Branche würde man sich maximal anstrengen, um Fachkräfte zu aquirieren und langfristig zu binden. Nur bei uns in der Pflege tritt man uns auch noch für unser Engagement in den Arsch...

    Ich hab langsam echt die Schnauze voll von diesen Arbeitgeberallüren. Nicht DIE sind es länger, die die Bedingungen diktieren, NEIN, lasst endlich UNS die Bedingungen diktieren, unter denen eine würdige Pflege zu leisten ist.
    Wir hätten die Macht dazu, wären wir nur EINMAL einig und standhaft...

    pflegerli

  10. #280
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    Standard AW: Pflegenotstand

    @pflegerli
    @all,
    recht hast Du mit Deinem Frust.
    Die Aussage:
    Nicht DIE sind es länger, die die Bedingungen diktieren, NEIN, lasst endlich UNS die Bedingungen diktieren.....
    ist inhaltlich in unserem System durch die Gewerkschaften zu bewerkstelligen. Sie sind für die Arbeitsbedingungen zuständig.

    Selbstbewusstsein und Qualität, also die Arbeitsinhalte, die muss durch ein Selbstverwaltungsorgan = Pflegekammer erfolgen. Ebenso die von mir verhasste Lobbyarbeit.

    Jetzt gibt es auch die Frage nach dem sinnvollen Weg:
    Arbeitsbedingungen und Bezahlung verbessern = Gewerkschaft (ver.di)
    Arbeitsinhalte und Qualität = Pflegekammer

    Was wollen die Pflegenden und was wollen do zuerst?
    Wirklich die Arbeitsbedingungen verbessern (bei einem durchschnittlichen Organisationsgrad von 8 - 12 % der Pflegenden)? Wohl eher kaum durchsetzbar.
    Arbeitsinhalte und Qualität verbessern durch Pflegekammern? Wohl eher kaum, sind doch die ersten Pflegekammern kaum richtig am Arbeiten.

    Nein, Pflegerli, Fachkräfte in der Pflege haben durch ein Selbstbewusstsein und ein Selbstwertgefühl. Sie definieren es nur anders. (z.B. fühlen sie sich nur wohl, wenn sie häufig einspringen müssen und darüber klagen können...)

    Und es kommt auch auf die Sichtweise der anderen Berufsgruppen im Kh an - wie sehen die Ärzte die Pflegefachkräfte?
    Sind Pflegefachkräfte nur gut, um vor den Ärzten den roten Teppich auszurollen und hinten den Ärzten den Dreck zu entfernen?

    Will sagen, so einfach ist es nicht -
    - Pflegende aller Länder vereint Euch -
    Dieser Aufruf funktioniert leider nicht.

    Pflegende sind eben anders gestrickt. (Tun, müssen, einspringen, retten, Patienten nicht leiden lassen, lieber selber leiden,...) Situation ändern? Nie, dann haben sie nichts mehr zu klagen...

    Viele liebe Grüße
    der manchmal sehr zynische
    fridolin
    immer gelegentlich manchmal
    Wahlspruch: Dormicum macht den dicksten Bären stumm...

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