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Thema: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

  1. #21
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Und wie bewegen wir nun Angehörige "mitzuarbeiten" und nicht als Störfaktor gesehen zu werden?

    Elisabeth

  2. #22
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    Daumen hoch AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Das schlimmste für mich ist, wenn die eigene Berufsgruppe sabotiert. Und sofort etwas ablehnt (z.B. sinnvolle Betreuung auch der Angehörigen) mit tausend Ausreden, obwohl sie sich nie ernsthaft mit dem Thema beschäftigt haben (und wahrscheinlich noch nie richtig krank in einem Bett lagen und den Kontakt zur Familie vermissten).
    WomBat,
    ich stimme Dir voll und ganz zu.
    Viele liebe Grüße
    fridolin
    immer gelegentlich manchmal
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  3. #23
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Hallo,

    Deine Frage ist nicht einfach, Elisabeth! Den Wille haben etwas zu verändern, sich dafür entscheiden, Mitstreiter suchen, Unterstützung von offizieller Seite suchen, einen „Arbeitskreis“ gründen, sich fortwährend schlau machen (Daten suchen, die belegen, dass so eine Veränderung positive Auswirkung hat), einen Plan entwerfen, und versuchen ihn umzusetzen.

    Wir wissen doch, dass jede kleine Veränderung dauert. Mich wundert nur, wie rasch Wünsche (Anordnungen) der Ärzte umgesetzt werden (mit mehr oder weniger Gejaule), bis nach einiger Zeit es jedem so erscheint als hätten sie das schon immer so gemacht! Vielleicht ist per Order Mufti ein Erfolgsmodel ? Jedoch spielt die Art der gewünschten Veränderung eine Rolle, bei einer neuen Kurve, anderer Verbandwechsel, usw. sind viele rasch dabei. Technische Veränderungen gehen rasch, im Bereich „Menschlichkeit“ ist es unendlich schwieriger.

    WomBat, Grüsst das Forum

  4. #24
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    *grübel* Eine neue Kurve, eine neue Verbandstechnik o.ä. brauchen keine Verantwortungsübernahme für die Entwicklung. Da kann man sich zurücklehnen mit den Worten: Arbeitsgruppe XY hats verbrochen oder Doc 123 hats angesetzt.

    Wenn ich mit einem Angehörigen kommuniziere, brauche ich neben dem Rückhalt im therapeutischen Team (Achtung: therap. Team nicht nur Team) und ich muss zwingend die Verantwortung für meine Worte übernehmen.

    Verantwortung wird galub ich nicht nur in den peripheren Stationen sondern auch im Intensivbereich gemieden, wie der Teufel das Weihwasser. Alles, was routiniert erfolgt, wo es tradierte Vorgaben gibt- da brauchts nur wenig Verantwortung. Ich kopiere die Handlungen, die in der Gruppe als angenommen gelten.

    Schwierig wirds bei einem Gespräch, das sich an keine Vorgaben hält- wo ich stets neu entscheiden muss... ev. auch mal gegen den Mainstream. Da muss ich Verantwortung für übernehmen und ich muss meine Meinung vertreten können auch vor den anderen. Es wird schwieriger "lieb und nett" zu sein.

    Elisabeth

  5. #25
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    Feldkirch... das ist in Österreich ;-)
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    ICh glaube es hilft nichts, wenn irgenwelche Zuständigkeiten hin und her geschoben werden, nein, es müssen für die jeweilige Station Regeln gefunden werden.
    Aber, diese Regeln müssen auch von allen eingehalten werden. Unser Besuchsmodell funktioniert sehr gut, es gibt klare Regeln und alle ziehen an einem Strang.
    Ich glaube eines der grundlegensten Probleme in der Angehörigenbetreuung sind:
    - Wie gehe ich mit Angehörigen in Krisensituationen um?
    - Wer hat was und wann mit den Angehörigen besprochen?
    - Wird die Pflege in solche Gespräche mit einbezogen und wenn nein, warum nicht?

    Angehörige sind ein wichtiger Schritt zur Genesung des Patienten. Und wir dürfen sie davon nicht ausschließen.
    wieder hier....

  6. #26
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Regeln geben Sicherheit .... und entbinden den einzelnen Verantwortung für seine Entscheidung zu übernehmen. Eine geregelte Kommunikation kann ich mir kaum vorstellen, da die Individualität des Menschen m.E. dies nicht zulässt.

    Elisabeth

  7. #27
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Lieber WomBat
    Technische Veränderungen gehen rasch, im Bereich „Menschlichkeit“ ist es unendlich schwieriger.
    ein leider viel zu wahrer Spruch. Dabei fällt mir doch gleich wieder der Spruch von Günter Rexrodt ein:
    "Stelle einem Deutschen eine Maschine zu bedienen hin - und seine Augen werden leuchten.
    Stelle einem Deutschen einen Menschen zu bedienen hin - und es streuben sich ihm die Haare."
    Viele liebe Grüße
    fridolin
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  8. #28
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Moin Zusammen!
    Es ist ein ganz einfacher Weg, die Angehörigen zu Fragen, ob sie überhaupt willens sind in die Pflege eingebunden zu werden. Wenn sie ja sagen ist es kein Problem, wenn sie nein sagen, hat sich die Sache eh erledigt!
    Abgesehen davon gibt es immer wieder Situationen, in denen Angehörige im Zimmer schlichtweg nichts zu suchen haben. Wenn ich den Nachbarpatienten versorge z.B., oder wenn der eigene Angehörige sein Geschäft erledigen muss, oder, oder, oder!
    Ich habe es in 20 Jahren Intensivstation nicht ein einzigesmal erlebt, daß ein Angehöriger kein Verständnis dafür hatte, wenn man ihn aus naheliegenden Gründen herausbat!
    Was die Besucherregelung betrifft gelten bei uns grundsätzlich offene Besuchszeiten, wir bitten die Angehörigen aber wenn sie außerhalb der Besuchskernzeiten kommen wollen, vorher kurz anzurufen und mit der betreuenden Pflegekraft kurz Rücksprache zu halten wann es am besten passt! Auch mit diesem Prinzip sind wir bislang in der Regel gut gefahren!

  9. #29
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Topolina und Liebes Forum,

    Du gehst für mich auf zwai wichtige Punkte ein.
    Regeln für das ganze Team und
    Wie geht das eigentlich – der Umgang mit Angehörigen von Intensivpatienten?

    Aus meiner Sichtweise (frau/man kann Brillenfarben je nach Regenbogen wählen, alles von Rosa bis ziemlich dunkel) zu den Regeln: Ohne Regeln, macht jeder was er will, wie er will, wann er will. Das ist in den eigenen vier Wände wahrscheinlich ganz OK – ob das im Krankenhaus gegenüber Pat. und Angehörige immer noch so OK ist, bezweifele ich. So frei nach dem Motto, jo, jo, auf dem Gemüsemarkt gehe ich immer zu der Frau mit der blauen Schürze, die ist richtig gut! Die erklärt mir alles Mögliche über Obst und Gemüse, vom Anbau bis in den Topf. Und die ist sooooo nett! Nee, zu der mit der roten Schürze gehe ich nie, die ist immer kurz angebunden, wenn ich nach der Herkunft der Tomaten frage, guckt die mich ungefähr so an wie „kannst Du nicht lesen, steht doch auf der Packung“. Ich glaube sogar, die lügt…auf Nachfrage ist Alles Immer Frisch. Dabei stimmt das nicht immer. Nee, zu der gehe ich nicht mehr.
    Ich will nicht sagen, dass Pat. oder Angehörige wegen einer bestimmten Schwester/einem bestimmten Pfleger in ein Krankenhaus gehen, aber das Team macht es doch aus. Ob möglichst viele sich kümmern, oder halt nur die in der blauen Schürze. Das ist keine gute Mundpropaganda (viel mehr haben wir ja nicht) für ein Krankenhaus, eine Station, ein Team. Meine Schlussfolgerung, ohne ein Philosophie-Fanatiker zu sein, es ist wichtig, dass viele im Team, möglichst alle im Team nicht nur die Regeln kennen, sondern auch einhalten. Wenn das nicht so ist, siehe oben, 1. und 2. Zeile des 2. Absatzes. Das führt zu knatschigen Patienten, knatschigen Angehörigen, und zu Knatsch im Team. Ich glaube nicht, dass ich das hier näher erklären muss !

    Wie geht das eigentlich – der Umgang mit Angehörigen von Intensivpatienten? Es gibt Natur-Talente, die können das und tun es auch. Falls nicht alle im Team Natur-Talente sind, bieten sich Fortbildungen an, Beschäftigung mit der Literatur zum Thema, wenn geht, Hospitationen dort, wo es (gut) gemacht wird. Es bietet sich auch an, nicht nur Techniken beim Praxisanleiter (oder den Erfahrenen im Thema) zu erlernen, sondern zu schauen (aktiv meine ich!) was machen denn die, die es schon können? Heißt auch „Rollen-Modelle“. Es spielt keine Geige, ob das Rollen-Modell Doc oder pflegerisch ist, über gute Kommunikation kann frau/man von dem lernen, der es kann! Falls es Docs sind, muss noch der Transfer zur Pflege geleistet werden (das bedeutet tatsächlich eine gedankliche Anstrengung !)

    Ein bisschen Bauchweh krieg ich beim Gedanken, ob Angehörige „mitarbeiten“ sollen. Ich denke, eher Nein. Das ist nicht das Thema. Wir sind nicht in einem Dritt-Land ohne Mittel (hoffentlich ). Das Thema heißt eher Anleitung, Beratung, Edukation, Beistand oder Begleitung in traumatischen Situationen (jeder kann sich sein persönliches Schimpfwort dafür aussuchen oder selbst basteln ).

    Anleitung, einfache Dinge zu tun, die dem Patienten gut tun (nichts Gefährliches!). Dinge, die dem Angehörigen die Gefühle der absoluten Machtlosigkeit, Hilflosigkeit, Nutzlosigkeit nehmen oder zumindest Auffangen. Aufgaben zu übertragen, die die Beziehung der beiden zueinander stärken, bestätigen, die Beziehung nicht abbrechen lassen. Das ist das Wesen professionellen Handelns, nicht nach StandardEntwurf vorzugehen, sondern jedes Mal neu schauen, Was und Wie kann ich hier tun, damit Mutti etwas für ihren Ehemann tun kann, damit Tochter ihren Papa, ihre Mama noch irgendwie aktiv begleiten oder tatkräftig unterstützen kann. Dinge erklären (das sollte chronologisch vor dem Anleiten kommen, ich will aber nicht zurück und alles wieder umwerfen und ein Skript dazu schreiben!). Die Situation Verstehbar machen, Ehrlich verstehbar. Sich langsam vortasten, bis die richtige Mischung für den Einzelnen gefunden wurde. Oh Gott, es geht weiter! Sich im Team darüber austauschen, was versucht wurde, was wirksam war (und auch was gar nicht ging).
    Es gibt keine Rezepte in unserer Arbeit. Wer glaubt, welche zu haben, kann sich wieder mit der Ganzwaschung beschäftigen! Auch dort, weis jeder der es eine Zeit lang ausübt, dass sie/er jeden Patienten eigentlich doch irgendwie „anders“ wäscht. Die Drehbücher (Hallo Elisabeth!) man nehme erst das re. Bein zum Waschen, dann das li. Bein – nun, Ja, ich übe hier besser Schweigen ist Gold . In einem Fall endet Anleitung beim einfachen Berühren, in anderen geht es weiter, die ganze Palette (je nach Dauer des Aufenthalts) kann drin sein. Teilwaschen, Anziehen, Essen, Haare kämmen…je nach Abteilung und Schwerpunkt und Zeitfenster bis zum…s.c. spritzen, absaugen, waschen, betten, lagern, bestimmte Beobachtungen usw. (ich denke hier auch ein Langzeitpatienten, bes. Reha, ambulante Intensivpflege usw.).

    Es ist doch gut und schön, dass ein richtige Breites Feld zum tummeln da ist. Ich weis nicht, wie viele Berufe so ein breites Feld haben!?! Je nach Abt. können die Dinge, die man so tut ganz unterschiedlich sein. Siehe eine post-op chirurgische ITS oder eine Kardio, Neuro oder Langzeit Pneumo ITS. Alle Schattierungen sind da. Da würde sich einer Tot-Schreiben, all die möglichen Situationen zum Umgang mit den Angehörigen zu beschreiben (sowie eine Frage der spezifischen Fachkompetenz).

    Wir sind nicht so Machtlos und Einflussarm, wie wir (manchmal) glauben.

    WomBat, es regnet hier in Strömen bei hohem Windgeschwindigkeiten. Ich bleibe ab sofort im meiner Höhle!

  10. #30
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Ich arbeite aktuell nicht in der Intensivtherapie.

    Och hatte kürzlich ein nettes Erlebnis. Angehörige kamen spät abends- vorher war es beruflich nicht möglich- um ihre hochbetagte Großmutter zu besuchen.
    Wie immer- 4 Bett-Zimmer... Abendpflegerunde. Um 20 Uhr sollte die Pflegerunde beendet sein.
    Ich hab die Enkelin gefragt, ob sie ihre Großmutter vielleicht ein wenig frisch machen will. Zurückhaltende Zustimmung. Ich habs ihr überlasssen, was sie macht. Und sie hat ihr das Gesicht gewaschen und die Arme eingekremt- ohne jegliche Anleitung formvollendet basal.

    Was will ich damit sagen. Es geht nicht immer um das Große. Kleinigkeiten bringen mehr. Ressourcen nutzen heißt das im Pflegeprozess.

    Der ältere Herr, der verzweifelt am Bett seiner Mutter steht und uns mitteilt, dass seine Mutter nie im KH sterben wollte. Wir haben versucht ihm zu erklären, dass sie vielleicht nicht alleine sein wollte. Er hat über zwei Stunden am Bett seiner Mutter gesessen und Abschied genommen.

    Die Mutter, die ihren 18jährigen Sohn besucht, der nach einem VKU im Koma liegt. Sie will etwas machen, nicht bloß hilflos rumstehen. Sie ist die Mutter, sie möchte gerne beim Waschen helfen. Und dann geht es nicht. Es ist ebend nicht mehr der kleine niedliche Junge. Er ist ein erwachsener Mann. Sie hat nur angreicht udn war glücklich.

    Oder der Mann, der nicht akzeptieren konnte, dass seine Frau nie wieder aus dem Koma aufwachen wird und der uns ständig bedrängte, doch etwas zu tun. Da ging es ums aushalten. Der Mann brauchte einen Menschen, der mit ihm die Last trug.

    Und so könnte man endlos fortsetzen.

    Ich kann mir keine Regeln vorstellen für diese Situationen. Es gibt nur einen gemeinsamen Nenner: Angehöriger eines Pat.. Alles andere muss ich in der Situation enstcheiden.

    Elisabeth

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