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Thema: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

  1. #11
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Hallo zusammen,

    wenn ich mir eure Beiträge in dieser Diskussion so durchlese, dann kommt mir als erstes in den Kopf, was es so schwierig macht mit Angehörigen eurer Patienten umzugehen.
    Vieles verstehe ich einfach nicht, vielleicht deshalb, weil es in der Pädiatrie fast überall zumindest tagsüber offene Besuchszeiten gibt und bis zu 4 Kindern in einem Zimmer liegen. Angehörige werden bei Visite anderer Patienten rausgeschickt, ebenso wie bei invasiven Maßnahmen. Es gibt vielerorts auf den pädiatrischen Stationen Elternküchen, wo sich diese dann aufhalten können. Auch die Einbeziehung der Eltern ist Standard in der Pädiatrie, auch wenn es länger dauert einen Patienten zu versorgen.
    Dabei denke ich dass die Anwesenheit der Angehörigen vielfach dafür sorgt, dass Patienten eben nicht, eben mal so im Eiltempo versorgt werden. Und ist das nicht das gute Recht der Leute. Personalmangel gibt es auch in der Pädiatrie und dort werden manchmal bis zu 5 Patienten von einer Pflegekraft versorgt, nachts hatte ich manchmal 6 Kinder zu versorgen, sicher nicht alle beatmet. Man konnte sich nicht damit rausreden, dass man keine Zeit hat sich um die Angehörigen zu kümmern. Eltern sind Bestandteil der Versorgung eines intensivpflichtigen Kindes.

    Warum ein Partner, Eltern oder andere nahestehende Personen bei erwachsenen Intensivpatienten so viel schwieriger sein sollte, verstehe ich nicht. Jeder Intensivpatient hat das Recht, dass ein naher Angehöriger bei ihm sein kann und dass dies nicht zeitlich limitiert ist. Die Integration von angehörigen in die Versorgung kann nur pflegerische Aufgabe sei, da dort die Verantwortlichkeit liegt. Inwieweit man Angehörigen weitergehende Unterstützung anbietet, ist eine andere Frage.

    Pflege ist im Wandel und unser Aufgabenfeld hat sich verändert und wird sich weiter verändern. Es ist unsere Aufgabe dafür Modelle zu entwickeln. Vor mehr als 20 Jahren durfte eine Mutter ihr Kind nicht auf dem Arm halten, wenn eine Infusion lief, es beatmet war o.ä. Vor 40 Jahren durften Eltern ihr Kind nur 1x wöchentlich für eine Stunde durch die Glasscheibe sehen. Heute ist Einbeziehung und ständige Anwesenheit von Angehörigen selbstverständlich und das ist auch gut so. Kinderkrankenschwestern sind einige Jahre früher mit diesen Veränderungen konfrontiert worden, das hat hat vielen nicht gefallen und auch dort gab es Widerstand. Auch hier gab es Argumente wie zu viel Arbeit, wegen Personalknappheit nicht leistbar, Angehörige stören den Ablauf und wollen ständig Auskunft usw. Aber ist es wirklich so. Kindern geht es in Anwesenheit der Eltern besser.
    Mir persönlich würde es helfen die Zeit als Patient auf einer Intensivstation besser zu verarbeiten, wenn ich wüsste, dass da jemand an meinem Bett saß der mir nahe stand....
    Gruß
    Tildchen

  2. #12
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Bei uns entsteht die Unruhe einfach allein schon daraus, dass wir keine Stationssekräterin haben und jedesmal selbst zur Tür gehen müsssen bzw. die Gegensprechanlage bedienen müssen. Wir versuchen z.Z. einige sgn. "grüne Damen" zu bekommen, um die Betreuung der Angehörigen hinzubekommen. Die werden natürlich keine Fachgespräche führen aber wenigstens können sie die Besucher auf unserer Station begleiten.
    Vieleicht ist die Pädiatrie da wirklich schon Meilen weiter voraus als wir aber z.Z. sehe ich noch keine Lösung.

    Gruß
    Heike
    Wer zuletzt lacht stirbt fröhlich

  3. #13
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    @Tildchen- das mit der Besuchszeit war net immer so. *fg* Ich habe den Übergang zu den ersten noch starren Besuchszeiten erlebt.
    Im Treppenaufgang standen massen an Eltern. Punkt 15 Uhr- und keine Minute früher- wurde die Tür geöffnet und dann begann der Run auf die Kittel. Hinter der geschlossenen Stationszimmertür stand das Pflegevolk und regte sich schon auf über diese massive Störung des Betriebes und dann kamen doch glattweg noch Eltern, die nach einem Kittel verlangten. Unverschämtheit. Es wurde akribisch drauf geachtet, was die Eltern machten. Ein Gespräch mit den Eltern fand nur statt um diese zurecht zu weisen. ... Wie sich doch die Zeiten geändert haben in mehr als 30 Jahren. Weg vom: nur die Krankenschwester weiß was den Pat. gut tut hin zu: die kompetenteste Pflegekraft eines Kindes ist immer die Mutter, die entsprechend angeleitet werden muss. Ist übrigens nicht immer einfach.

    Meine Erfahrung: Am besten scheint dies den Kollegen aus der Neonatologie und der Onkologie zu gelingen.

    Elisabeth

  4. #14
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Elisabeth und Liebes Forum,

    ganz „Früher“ (bis in the späten 60iger evtl. sogar noch um einige viele Jahre mehr) war das Paradigma „die Schwester weis es am Besten“ (der Pfleger natürlich auch). Der Paradigmenwechsel zu mehr Patientenautonomie (Rechte usw.) wurde ca. in den 60igern durch die Pflegetheorien eingeleitet. Der Name fällt mir gerade nicht ein, WER das geschrieben hat, ich tippe auf Ernestine Wiedenbach (die Deutsche unter den US Pflegetheoretikerinnen, die wegen ihrem frechen Mäulchen fast von der Pflegeschule geschmissen wurde …dennoch wegen ihren Fähigkeiten beibehalten wurde, Examen machen dürfte und schließlich ihre Ideen für uns alle zu Papier brachte ).

    Falls es nicht Wiedenbach war, ist das auch nicht wesentlich (aus der Sicht der alltäglichen Begegungen auf Station). Wesentlich ist, dass Patienten und ihre Angehörige Experten ihrer Selbst sind. Dieses zu beachten, hilft ungemein im Umgang miteinander.

    WomBat

  5. #15
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    *grübel* Paradigmenwechsel... hab ich was verpasst? Ist mir bisher noch net so aufgefallen. Weiß nicht nach wíe vor die examinierte Pflegekraft am Besten was der Pat./Bew. u.ä. braucht? Dafür macht sie doch schließlich das Examen.

    In D sind wir immer nich dabei, dass Monopol auf Pflegeleistungen- besonders im Grundpflegebereich- fest zu zementieren. Dieses Monopol sieht vor den Pat./Bew. nebst Angehörigen zu entmündigen. Grund: falsch verstandene Berufsidentität.

    Aber das ist ein Nebenschauplatz... oder doch nicht.

    Elisabeth

  6. #16
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Liebe KollegInnen,

    Wesentlich ist, dass Patienten und ihre Angehörige Experten ihrer Selbst sind.
    Was prinzipiell richtig ist!
    Jedoch: wo findet eben das beachtung?
    Weder die Ärzte noch da Pflegepersonal (das eh`immer danach schielt, was Ärzte so machen...) verhalten sich entsprechend. Nein, Ärzte maßen sich an, über die Gesundheit und Therapie von Patienten alleinig zu entscheiden.
    Und die Geschichte geht noch weiter: selbst Behörden und Krankenkassen wollen entscheiden, was gut für den einzelnen Patienten ist. Beispiele fallen mir genug ein, stellvertretend sollen hier die "Chronikerprogramme" der Krankenkassen stehen.
    Das Verhältnis Arzt & Pflege > Patient ist immer von Vergewaltigung geprägt - oder was ist das, wenn wir dem Patienten erzählen: "...Sie müssen aber jetzt einmal das und das machen, dann geht es Ihnen besser..." und der Patient nonverbal widerwillig einwilligt?
    Wahrscheinlich macht es uns das so schwer, Angehörige zu akzeptieren und in die Pflege mit einzubeziehen.
    Viele liebe Grüße
    fridolin
    immer gelegentlich manchmal
    Wahlspruch: Dormicum macht den dicksten Bären stumm...

  7. #17
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    In welcher Studie hab ich bloß kürzlich gelesen, dass in D ein echtes Manko bezüglich der Patientenaufklärung besteht??? Egal es stand da jedanfalls so und ich kann das auch so bestätigen. Infos werden vorenthalten oder nicht adressatengerecht vermittelt. Damit bleibt Arzt/ Pflege in einer Autoritätsposition.

    Und diese Funktion/ Position ermöglicht auch die Entscheidung, wann wieviel Besuch gut ist. Angehörige wollen Infos. Infos will/ kann man aber nicht geben ohne Folgen für die eigene Stellung.

    Mündiger Pat./Angehöriger- in D eher ein Störfakror im Gesundheistgetriebe weil nicht planbar.

    Elisabeth

  8. #18
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Zitat Zitat von Elisabeth
    *grübel* Paradigmenwechsel... hab ich was verpasst?

    Nee, Du hast nichts verpasst. Es war ja nur die "Einleitung" des Gedankens, dass Patienten auch eine Sichtweise haben!
    Frei nach: "only the patient knows the patient's view"

    Es gibt so viele Kleinigkeiten zur Respektierung des Patientens und seinen Besuchern. Dazu brauchst auch mündige Pflegende mit "soft skills". Nein, nein, nicht "soft kill", sondern "soft sKills" . Und eine Krankenhausumgebung, die das aktiv fördert. (Die finde ich allerdings selten...)

    In vielen Fällen haben wir immer noch "Doc weis es am Besten" oder "Schwester weis es am Besten". Ergo, in der Medizin und in der Pflege.


    WomBat

  9. #19
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    *seufz* Acha ja. Ich erinner mich gerne an die wenigen Jahre mit einem wunderbaren OA. Da gab es das, was du einforderst. Leider hat er dann eine Chefarztstelle angeboten bekommen und ist gegangen. Wir alle- eagl ob Pflege oder ärztl. Kollegen haben es sehr bedauert. In der Zeit hat Pflege einen großen Sprung gemacht vom Hilfspersonal zur Pflegetherapie.

    Davon ist nach fast 10 Jahren nichts mehr übrig außer verzerrten Rudimenten... auch bedingt durch das Unverständnis der pflegerischen Leitung. Der OA hatte während seiner Zeit einen Eingriff von dort unterbunden.

    Elisabeth

  10. #20
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    Standard AW: Angehörige und pflegerische Maßnahmen

    Ergo, weder eine nur Doc-Schelte, noch eine nur Pflege-Schelte nutzt. Mal bringen die Einen Gutes zustande, mal die Anderen. Es scheint aber ein Muster zu geben, dass Pflege oft „Pflege“ behindert. Das ist sehr Schade. Ich habe dazugelernt, wenn ein Doc „Pflege“ fördert, bin ich dabei. Da kenne ich keine „beruflichen“ Grenzen.

    Auch ich habe „gute“ und weniger „gute“ Zeiten (für das befriedigende Ausführen unseres Berufs – im Sinne der Pat.) kennen gelernt. Wenn es wirklich gut war (in meinem Fall), waren oft Docs dahinter, die hinter uns standen und unsere Arbeit förderten. Schon komisch, wenn der oft gescholtenen „Gegner“ mehr tut, als z.B. die pflegerische Ltg. Wir haben noch viel zu lernen. Es gibt Pflegende, mit denen arbeite ich sehr, sehr gerne. Es gibt Docs, mit denen arbeite ich auch sehr, sehr gerne. Das schlimmste für mich ist, wenn die eigene Berufsgruppe sabotiert. Und sofort etwas ablehnt (z.B. sinnvolle Betreuung auch der Angehörigen) mit tausend Ausreden, obwohl sie sich nie ernsthaft mit dem Thema beschäftigt haben (und wahrscheinlich noch nie richtig krank in einem Bett lagen und den Kontakt zur Familie vermissten). Und die Ausreden sind oft so gestrickt: „das stört unsere Arbeit“. Dabei haben diese Probleme, ihre Arbeit überhaupt zu definieren.

    Hauptsache, der Laden läuft (die Station muss bis aufs „i“ Tüpfelchen all ihre historisch gewachsene unnötige Rituale aufrechterhalten), dabei könnte man schon auf die Idee kommen, das der Patient (inkl. Angehörige) nur stört. Wie toll könnten wir arbeiten, wenn die Patienten mitsamt Anhang endlich mal zu Hause bleiben würden! Wir könnten hin und her rennen, hier und da ein paar Handgriffe machen, und die Station würde so richtig laufen! Hoch lebe die Tätigkeitsorientierung!

    WomBat, hmmmm, mir scheint mir, als wäre ich heute ein wenig aggressiv

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