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Thema: Anästhesie-Assistent?

  1. #231
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    Standard AW: Anästhesie-Assistent?

    Hallo Wombat und alle Mitleser,

    der aktuelle Fall macht uns wütend. Er zeigt auch, daß das System nicht lernfähig ist. Ich kenne einen Fall aus 1978, als ich Berufsanfänger war, und ein niedergelassener Chirurg mangels Fachkenntnis bezüglich der von ihm verabreichten Narkosen Kinder umbrachte. Das kam nur an die Öffentlichkeit weil ein zugezogener Notarzt beim zweiten Fall Anzeige erstattete. Es wird vertuscht und gelogen und die Patienten und Angehörigen verarscht.
    In solchen Praxen geht es nicht mal um Effizienz. Da geht es nur um Gewinnmaximierung. Ich kenne sehr gute Praxen, da ist alles Tip Top. Ich kenne aber auch die anderen.
    Effizienz ist ja nicht alles. Wir werden jetzt nach Produktivität verglichen ! Wir haben schon nachgefragt wie menschliche Zuwendung gemessen werden kann ? Da guckt der BWL'er blöd.
    Wir haben im internationalen Vergleich die höchste Produktivität im Gesundheitswesen, heißt, wir behandeln mit weniger Personal mehr Fälle. Wie sieht es mit den Komplikationen aus ? Will keiner Wissen.
    Es müssen wohl noch einige Patienten sterben und es werden noch viele Patienten sterben bis sich da etwas ändert.
    Wir in den Kliniken werden immer über unsere Sicherheitsstandards belächelt. Unsere Patienten nehmen keinen Schaden !

    Schönes Wochenende

  2. #232
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    Standard AW: Anästhesie-Assistent?

    Ich befürchte dein Wunsch wird ein Wunsch bleiben. Das System ist am Gewinn interessiert. Das gesamte Gesellschaftssystem ist darauf ausgerichtet. Das Gesundheitswesen folgt hier nur den gesellschaftlichen Vorgaben. Der Begriff Nächstenliebe ist lediglich eine Worthülse. Solidarität- die Bedeutung dieses Wortes wird in der Bevölkerung gleichgesetzt mit einer ungewollten Abgabe.

    Jeder denkt an sich, da wird keiner vergessen... eine schöne Beschreibung der heutigen Denkweise.

    Wir, die wir diese Entwicklung nicht verstehen können und sie mit Schrecken verfolgen sind eigentlich schon gleich den Dinosaurieren, Relikte aus längst vergangenen Zeiten.
    Die Umwelt, das Umfeld hat sich geändert. Nur wer sich anpassen kann wird überleben. Das Schicksal der Dinos dürfte bekannt sein.

    Elisabeth

  3. #233
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    Standard AW: Anästhesie-Assistent?

    Zitat Zitat von andreasuhl
    Wir in den Kliniken werden immer über unsere Sicherheitsstandards belächelt. Unsere Patienten nehmen keinen Schaden !

    Schönes Wochenende
    Hi,
    schön zu lesen, das es noch Kliniken gibt in denen Patienten keinen Schaden nehmen.
    Gruß
    Johannes

  4. #234
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    Frage AW: Anästhesie-Assistent?

    Ich zitiere hier andreasuhl:
    Unsere Patienten nehmen keinen Schaden !
    ...sondern das Personal ????

    Viele liebe Grüße
    fridolin
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  5. #235
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    Standard AW: Anästhesie-Assistent?

    Ich muss noch 'was loswerden!

    Die Sicherheitsstandards betrachte ich als „Unantastbar“ für meine Arbeit. Mir fällt kaum ein Anästhesist aus der Klinik ein, der dass nicht ebenso sieht. Die Vorkehrungen sind mit Fakten unterlegt, manche dieser Fakten sind traurige Kapitel in denen Patienten zu Schaden kamen oder im schlimmsten Fall daran gestorben sind.

    In Sachen operative Fächer habe ich Fälle erlebt wo diese Berufsgruppen es immer wieder versucht, die Anästhesie in Bedrängnis zu bringen. Sicher nicht mit dem Gedanken, „wir operieren wann und wie wir wollen, dann ist der Pat. tot, aber die OP war doch erfolgreich“. Sei es das umgehen von Nüchternzeiten, sei es „schnell, schnell – mach doch mal schnell eine Narkose, das geht doch ohne den Laborwert oder ohne EKG ist doch nur ein Mini-Eingriff, Na und? Dann machen wir die Blutgruppe halt später, wird schon nicht bluten, Mensch, Du brauchst doch das ganze Monitoring nicht, komm’ wir machen das gerade hier im Abstellraum, Mensch, stell dich nicht so an, mein OP Tisch MUSS dorthin, dann nimmste halt mehr Pflaster für deinen doofen Tubus, dann noch die Lagerungen, die kein Mensch vorher je gesehen hat….usw.“
    Ich finde, es ist eine (sträfliche) Einmischung in den Fachbereich, kann potenziell Menschen gefährden und hat mit Kooperation („alles dreht sich bei uns um den Patienten“) absolut nichts zu tun. Wer darüber kein Wissen besitzt, sollte auch keine Vorschläge machen. Sinnvoller wäre es, sich beraten zu lassen. Mit den operativen Fächern (in Kliniken) kann und konnte man (meistens) reden. Noch schlimmer wird es, wenn Spar-Akrobatiker unsere Arbeitsabläufe usw. „optimieren“ wollen und dabei die Sicherheitsstandards vernachlässigen. Wenn Sicherheitsstandards belächelt werden (oder die Personen, die dafür gerade stehen)….denke ich immer „ahnungsloser Dummbeutel“ – ich muss es ja nicht aussprechen . Gedanken sind frei und es gibt noch kein Gerät, welches meine Gedanken wie eine Alarmanlage im 50m Umkreis mitteilt. Den Schuh „paranoider Sicherheitsfanatiker“ ziehe ich mir nicht an, schon gar nicht wegen Dummbeutel. Neben Schäden an Patienten, kann das unerfahrene freudige Mitmachen, unterwürfiges Mitlaufen oder eine generell opportunistische Haltung im schlimmsten Fall zum Entzug der Berufserlaubnis führen.

    Es ist ermüdend, immer wieder für Sicherheit kämpfen zu müssen. Eigentlich ein Unding. Daher man Frage: Wie ernst wird das Fach genommen?

    WomBat, die Realität lehrt uns: Errungenschaften bleiben nicht einfach „da“, sie müssen immer wieder neu erkämpft werden. Das sieht man deutlich an den tragischen Fällen.

  6. #236
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    PC AW: Anästhesie-Assistent?

    Hallo WomBat,
    kann mich dir voll anschließen. Habe die Erfahrung gemacht, dass berufsgruppenübergreifende Standards auch als fester Bestandteil eines QM Systems die Diskussion mit Dummbacken abkürzt indem man nur noch auf von der Geschäftsführung genehmigte Standards verweist. Es ist traurig, dass wir von der Gattung homo sapiens solche Dinge brauchen und nicht auf besserem Niveau kommunizieren können. Daher glaube ich schon nicht mehr, dass wir die momentan höchtste Form der Entwicklungsstufe sind. Leider ist der Bildungsgrad auch nicht der Indikator für positiven sozialen Umgang.

    Gruß

    Sören
    wat mut dat mut

  7. #237
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    Standard AW: Anästhesie-Assistent?

    Lieber WomBat,
    wenn Du Deine Anästhesiespezifischen Aussagen weglässt, passt Deine Aussage in Abhängigkeit von den Akteuren auf (fast) alle Bereiche im Krankenhaus.
    Ich kann Dir nur beipflichten.
    Ich stricke Deinen Gedanken einmal weiter:
    „wir operieren wann und wie wir wollen, dann ist der Pat. tot, aber die OP war doch erfolgreich“
    was nützen die kürzesten Wechselzeiten, wenn der Pat. an den Folgen der OP (hier: durch kürzeste Wechselzeiten verursachte Vernachlässigung von Standards) verstirbt?
    Tot ist tot und töter als tot kann niemand sein (analog unserem Gesundheitswesen).
    Viele liebe Grüße
    der untote
    fridolin
    immer gelegentlich manchmal
    Wahlspruch: Dormicum macht den dicksten Bären stumm...

  8. #238
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    Standard AW: Anästhesie-Assistent?

    Hallo fridolin , hallo johannes,

    wieso sollte das Personal Schaden nehmen ? Nur weil wir bemüht sind Sicherheitsstandards einzufordern ?

    Wir haben tatsächlich eine äußerst geringe Komplikationsrate im Anästhesiebereich. Und so muß es sein. Und dazu sind wir hier angetreten.
    Wenn wir anfangen gleichgültig vor uns her zu wurschteln, dann sind die Patienten die Leidtragenden und irgendwann wir selbst. Das merken wir ganz schnell wenn wir mal selbst auf der anderen Seite liegen. Habe die Erfahrung zweimal gemacht.

    Wombats Ausführungen schließe ich mich wie fast immer an.

    Gruß

    Andreas

  9. #239
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    Standard AW: Anästhesie-Assistent?

    Lieber andreasuhl,
    Nur weil wir bemüht sind Sicherheitsstandards einzufordern ?
    Ich denke, dass hohe Sicherheitsstandards gut sind. Wenn sie auch eingehalten werden - um so besser.
    Was ich eigentlich meinte ist, dass die Anforderungen für den einzelnen Mitarbeiter dadurch schon relativ hoch sind und wenn Stress durch hohes Patientenaufkommen noch hinzu kommt, kann das zu Überbelastungen der einzelnen Mitarbeiter führen was letztendlich auch in Verletzung dieser Sicherheitsstandards enden kann oder, noch schlimmer, im Burn Out der Mitarbeiter.
    Da Krankenhäuser als Wirtschaftsbetriebe arbeiten, vergessen sie häufig, dass hohe Sicherheitsstandards & hohe Qualität auch Zeit "kosten".
    Ich hoffe, ich habe die Äußerung nun genau genug erklärt.
    Viele liebe Grüße
    fridolin
    immer gelegentlich manchmal
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  10. #240
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    Standard AW: Anästhesie-Assistent?

    Da hast Du vollkommen Recht. Wir müssen aufpassen, daß wir uns nicht derart instrumentalisieren lassen, daß der Fehler dann unausweichlich eintritt.
    Wir müssen um gute Rahmenbedingungen kämpfen !!!! Sei es apparative oder personelle Ausstattung. Wir müssen lernen auch mal nein zu sagen und im Einzelfall die Überlastungsanzeige nutzen. Es ist niemanden geholfen wenn wir wie gehetztes Wild alles nur noch halb machen. Ich kann nur appellieren und jedem raten sich gewerkschaftlich oder berufspolitisch zu engagieren. Im Einzelfall kann es auch ausreichen im eigenen Haus eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Es nicht bequem aber es hilft.
    Nur wenn es uns gut geht geht es auch den Patienten gut!

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